Schlafstörungen bei Parkinson: Ursachen, Symptome und Tipps
Viele Patienten mit Parkinson erleben verschiedene Schlafprobleme, wie Einschlafstörungen, nächtliches Erwachen, Albträume oder unruhige Beine (Restless-Legs-Syndrom). Schlafstörungen begleiten Parkinson-Betroffene sehr häufig. Sie stehen im Zusammenhang mit den Veränderungen in den neuronalen Netzwerken des Gehirns im Zuge der Erkrankung. Während die Parkinson-Erkrankung weiter fortschreitet, verändert sich auch das Schlafverhalten. Dabei ist erholsamer Schlaf essenziell für das Wohlbefinden sowie körperliche und geistige Fitness.
Schlafstörungen und nächtliche Symptome bei Parkinson
umfassen unter anderem:
![]() | Nächtliche Bewegungsarmut (Akinese), unwillkürliche Muskelanspannungen (Dystonie) am Morgen, Restless-Legs Syndrom (kribbelnde Beine) |
![]() | Nächtlicher Harndrang (Nykturie), Halluzinationen und andere neuropsychiatrische Störungen |
![]() | Schlaflosigkeit, wiederholtes Aufwachen (teils mit Problemen wieder einzuschlafen), Aussetzen der Atmung während des Schlafs (Schlafapnoe), REM-Schlafstörung |
Sonderfall REM-Schlafstörung
Dabei leben Betroffene ihre Träume aus, schreien, lachen oder schlagen um sich – ohne es selbst zu bemerken.
Sie führen einfach ihre Traumhandlungen auch im echten Leben aus.
Der natürliche Mechanismus, der die Muskulatur während der REM-Schlafphase (Phase des Schlafs mit schnellen Augenbewegungen) inaktiv hält, funktioniert nicht. Stattdessen kommt es sogar zu erhöhter körperlicher Aktivität.
Darüber hinaus berichten Betroffene von besonders intensiven Träumen, in denen sie flüchten oder kämpfen müssen.
Es kann sein, dass Betroffene dieses Verhalten schon Jahre vor einer Parkinson-Diagnose bemerken.
Erkenntnisse aus einer Patientenbefragung
Die globale „SLEEP“-Umfrage, durchgeführt von PD Avengers in Zusammenarbeit mit AbbVie, ergab nicht nur, dass viele Parkinsonerkrankte und ihre Angehörigen an Schlafstörungen leiden, sondern dass nächtliche Parkinson-Symptome auch erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität und den Alltag haben.
Die wichtigsten Ergebnisse
96 % schlafen schlecht
96 % der Befragten berichteten, dass Parkinson ihre Schlafqualität beeinträchtigt, mit durchschnittlich rund drei Schlafunterbrechungen pro Nacht.
Im Durchschnitt haben Patienten sechs verschiedene Symptome pro Nacht.
Zu den häufigsten zählen:
- häufiges Erwachen
- Schlaflosigkeit
- Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinesie)
- Unbeweglichkeit (Rigidität)
- Nächtlicher Harndrang
65 % können sich im Bett schwer bewegen
65 % berichteten über Schwierigkeiten beim Umdrehen im Bett.
Bei fortgeschrittener Erkrankung stieg dieser Wert auf 84 %.
88 % der Angehörigen werden im Schlaf gestört
Gerade Angehörige leiden besonders unter den Schlafstörungen der Parkinsonerkrankten.
So geben 88 % an, dass ihr Schlaf durch ihren Partner unterbrochen wird. Das führt durchaus zu erhöhter persönlicher Belastung bzw. wird die gestörte Nachtruhe auch als Grund für Funktionsstörungen tagsüber genannt.
Passende Therapie beeinflusst auch den Schlaf
Viele Patienten sehen die Wirkung ihrer Therapie vor allem in der Erhaltung der Beweglichkeit, dem Vermeiden von OFF-Phasen oder von Überbewegungen. Wenig bekannt ist dagegen, dass eine geeignete Therapie auch Auswirkungen auf die sogenannten nicht-motorischen Symptome hat, die ebenfalls die Lebensqualität beeinflussen, wie zum Beispiel Schlafstörungen, Blasenprobleme oder leise Aussprache (mehr dazu unter Symptome Parkinson).
Gerade der Schlaf kann sich mit der angepassten und ausreichenden Therapie verbessern. Und guter Schlaf wirkt sich besonders auf die Lebensqualität tagsüber aus. Denn wer kennt nicht das Wohlgefühl nach einer erholsamen Nacht?
Wie steht es um Ihren Schlaf? Haben Sie sich schon einmal diese Fragen gestellt?
- Wie oft stehen Sie nachts aufgrund von Parkinson-bedingten Beschwerden auf?
- Fällt es Ihnen schwer, sich nachts im Bett umzudrehen?
- Wie oft haben Sie nachts lebhafte Träume oder Albträume?
- Wie oft sind Sie nachts unruhig oder haben den Drang Ihre Beine zu bewegen?
- Wirken sich Ihre nächtlichen Symptome auf den Schlaf Ihres Partners aus?
Beantworten Sie die oben angeführten Fragen aus der SLEEP-Umfrage für sich. Beobachten Sie sich und notieren Sie die Ergebnisse. Das kann eine gute Grundlage für Ihr nächstes Gespräch mit Ihrem Neurologen bilden, in dem Sie ihn auf das Thema “Schlafstörungen” ansprechen können.
Wollen Sie noch mehr dazu wissen: Dann machen Sie den ausführlichen Selbsttest mithilfe des PDSS-2- Fragebogen.
Belasten Ihre Schlafstörungen Sie selbst oder Ihre Angehörigen?
Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Neurologen. Denn guter Schlaf ist essenziell für gute Lebensqualität. Nutzen Sie für die Vorbereitung auf das Gespräch den Folder „Schlafen Sie gut?“ als Unterstützung.
Sprechen Sie mit Ihrem Neurologen!
Ein Drittel der Patienten spricht nicht mit dem behandelnden Neurologen über das Thema “Schlafstörungen”. Obwohl viele Betroffene berichten, dass schlechter Schlaf vermehrt zu Ängsten, Depression und schlechter Lebensqualität führt.
Geht es Ihnen auch so?
Was können Sie selbst für besseren Schlaf tun?
Schlaf wird oft als passive Zeit gesehen. Doch unser Gehirn ist auch in der Nacht aktiv. Es taktet unterschiedliche Prozesse, wie das Abspeichern und Verarbeiten von Gelerntem oder Erholung und Regeneration, um das Immunsystem zu stärken.
Neben einer gut eingestellten und ausreichenden Therapie können auch Tipps für die Schlafhygiene helfen, in der Nacht besser zur Ruhe zu kommen.
Dazu gehören zum Beispiel:
Sorgen Sie für ein gutes Schlafumfeld:
- Machen Sie Ihre nächtlichen Wege sturzsicher: Haltegriffe, keine Hindernisse am Weg, Nachtlichter oder bewegungsaktive Beleuchtung.
- Legen Sie das Handy bereit, um im Notfall Hilfe zu rufen.
Bereiten Sie sich auf die Nachtruhe vor:
- Halten Sie feste Schlafenszeiten ein.
- Schaffen Sie ein beruhigendes Abendritual (z. B. Lesen, Entspannungsübungen) und vermeiden Sie Bildschirmlicht vor dem Schlafengehen.
- Vermeiden Sie koffeinhaltige Getränke, große Mahlzeiten und Alkohol am Abend.
- Reduzieren Sie die Flüssigkeitsaufnahme in den Stunden vor dem Schlafen, um nächtliche Toilettengänge (Nocturie) zu verringern.
- Sorgen Sie für ein angenehmes Schlafumfeld: dunkel, ruhig, kühl temperiert.
- Wählen Sie eine leichte Decke, die die Bewegungen nicht zusätzlich erschwert.
- Bevorzugen Sie eine härtere Matratze um übermäßiges Einsinken zu vermeiden.
Auch das Verhalten tagsüber beeinflusst die Schlafqualität:
- Sorgen Sie für ausreichend Bewegung – körperliche Aktivität kann den Schlaf verbessern.
- Tanken Sie tagsüber ausreichend Tageslicht, das hilft dem Schlaf-Wach-Rhythmus.
- Vermeiden Sie tagsüber zu schlafen – falls nötig, nur ein kurzer Power-Nap von maximal 30 Minuten (Wecker stellen!).



